Rede von Markus Fuchs zur Gender-Sprache in Frankfurt (Plenarsitzung 27.06.2019)

Rede des Stadtverordneten Markus Fuchs zum Antrag der AfD NR 789 (Aufruf gegen „Gender-Unfug“).

Den Audio-Mitschnitt der Rede finden Sie am Ende des Textes, sowie hier.

 

Sehr geehrter Herr Vorsteher,
meine Damen und Herren!

Jetzt haben wir wieder einmal das übliche Repertoire an Reaktionen erlebt, wenn man einem Lieblings-Umerziehungsprojekt unserer Gesellschaftsbeglücker und Sozialingenieure öffentlich widerspricht. Zu dem Unsinn von der SED äußere ich mich überhaupt nicht. Das ist sowas von peinlich von Ihnen, das ist mir einfach zu dumm.

Ich finde es immer wieder amüsant, mit welcher Berechenbarkeit Sie über jedes Stöckchen springen, das man Ihnen hier hinhält. Kollege Dr. Rahn hat in anschaulicher Weise gezeigt, zu welchen sprachlichen Lächerlichkeiten es kommt, wenn dieses Gender‑Blabla konsequent zu Ende gedacht wird. Aber das ficht Sie natürlich nicht an. Das ist mir klar. Das ganze Konzept, Gleichberechtigung über Sprache herzustellen, ist nämlich einfach nur dumm. Nach dieser Vorstellung müssten nämlich Länder, in denen Sprachen gesprochen werden, die kein grammatikalisches Geschlecht kennen, der Hort der Gleichberechtigung von Mann und Frau sein, sind sie aber nicht. Schauen Sie in die Türkei oder nach Japan. Die ganze Theorie ist mit einem simplen Blick über die Grenzen – ja, die gibt es noch – dieses Landes innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde falsifiziert. Deswegen will ich darauf auch keine weitere Zeit verschwenden.

Ich will jetzt hier auch keine sprachwissenschaftliche Abhandlung über Linguistik, Grammatik oder generisches Maskulinum halten, da ich befürchte, dass Sie auch das nicht von Ihrem Irrweg abbringt.

(Zurufe)

Aber wie üblich haben Sie auch diesmal den Kern des Problems wieder einmal nicht erkannt und segeln wie immer zielsicher direkt daran vorbei. Wie mir Kollege Reschke berichtet hat, es war im zuständigen Ausschuss – ich glaube, es war der Ausschuss für Recht, Verwaltung und Sicherheit -, wo Frau Hahn wohl meinte, sie sitzt gerade hinter mir, …

(Heiterkeit)

Ah, nicht mehr, dann kann ich sie direkt ansprechen. So schnell geht das eben. Frau Hahn meinte im Ausschuss, wir sollten sie nicht länger mit unseren Anträgen belästigen. Sehr geehrte Frau Hahn, andersherum wird ein Schuh daraus. Hören Sie endlich auf, die Gesellschaft mit solch einem Quark wie Gender‑Blabla zu belästigen.

(Beifall)

Hier nehmen wieder einmal subkulturelle Grüppchen mit zu viel Tagesfreizeit die ganze Gesellschaft mit ihrem Unsinn in Geiselhaft. Es mag in der links-grünen Filterblase wirklich die Ansicht herrschen, dass das ein Thema sei, dass die Menschen in diesem Land dringend behandelt wissen wollen.

(Zurufe)

Aber wissen Sie was? Hören Sie einfach einmal zu, dann können Sie noch etwas lernen. Ich habe in meinem Leben außerhalb dieses selbstreferenziellen Systems in dem wir uns bewegen, es ist sehr selbstreferenziell, niemanden kennengelernt, der das goutieren würde. Ganz im Gegenteil, die Menschen sind von dem Zeug immer weiter angenervt. So schaut es aus.

(Beifall, Zurufe)

Das ist nicht nur ein subjektiver Eindruck, nein, das lässt sich auch statistisch belegen. Es gibt nämlich zu dem Thema gendergerechte Sprache diverse repräsentative Umfragen, die alle belegen, dass die überwiegende Mehrheit in diesem…

(Zurufe)

Ja, das ist das einzige, was du kannst, wenn du nicht mehr weiterweißt, Nazi in den Raum zu rülpsen. Das ist das intellektuelle Niveau, das du hast. Das ist erbärmlich.

(Beifall)

Was ist aus den Linken nur geworden. Das ist erbärmlich.

Stadtverordnetenvorsteher
Stephan Siegler:

Ich dürfte die beiden testosterongesteuerten Herren darum bitten, ein bisschen herunterzufahren. Respekt geht in beide Richtungen, und das Lachen ist absolut nicht angebracht, Herr Fuchs.

Stadtverordneter Markus Fuchs, AfD:

(fortfahrend)

Gut, ich nehme es demütig zur Kenntnis.

Es gibt nämlich zu dem Thema gendergerechte Sprache diverse repräsentative Umfragen, die alle belegen, dass die überwiegende Mehrheit in diesem Land diese sprachpolizeilichen Regulierungen grundsätzlich ablehnt. Ich zitiere exemplarisch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey. Rund 67 Prozent halten es nicht für eine sinnvolle Maßnahme zur Gleichstellung der Geschlechter. Nur 22 Prozent halten die geschlechterneutrale Sprache für sinnvoll. Circa elf Prozent sind in der Frage unentschieden. Jetzt schauen wir noch einmal die Zustimmungswerte bei den einzelnen Parteien an. Am meisten Zustimmung findet die Maßnahme der gendergerechten Sprache bei der SPD, da sind es aber auch nur 36 Prozent. Das heißt, zwei Drittel ihrer Mitglieder oder ihrer Anhänger finden es auch nicht so toll. Deswegen, Frau Weber, wenn Sie uns vorwerfen, vor 50 Jahren stehengeblieben zu sein, dann gilt das auch für zwei Drittel Ihrer Anhänger. Zu den GRÜNEN, oder heißt es jetzt GRÜNINNEN oder GRÜNENDEN, ich weiß es nicht, auf jeden Fall bei der Greta-grünen-Gruselgruppe sind es nur noch 35 Prozent und bei der LINKEN. auch nur 29 Prozent. Selbst mehr als zwei Drittel Ihrer Anhänger finden das Ganze auch problematisch.

(Zurufe)

Bei der FDP sind es nur noch 14,5 Prozent, bei den Anhängern der CDU nur 13 Prozent und am größten ist natürlich die Ablehnung bei den Anhängern der AfD, das ist kein Wunder, da sind es 97 Prozent.

Damit Sie es einmal verstehen, wir von der AfD vertreten hier keine gesellschaftliche Minderheitenmeinung. Wir repräsentieren diesmal tatsächlich in dieser Frage die Mehrheit der Bevölkerung. Nicht wir sind die, die in der Argumentationspflicht sind, sondern Sie.

(Beifall)

Nicht wir sind die gesellschaftlichen Geisterfahrer, sondern Sie. Diese Blüten, die der ganze Unsinn treibt, hat man erst neulich aus dem SPD‑geführten Familienministerium erlebt. Die SPD, die Erfinderin des Marxismus-Kevinismus; Frau Giffey hat es neulich erst festgestellt anhand einer Handlungsempfehlung für Lehrer, um gleichgeschlechtliche Elternpaare nicht zu diskriminieren, sollte man nicht mehr Mutter und Vater sagen, sondern Elternteil 1 und Elternteil 2. Liebe Frau Busch, Projekt „Fünf Prozent“ läuft für die SPD.

(Beifall)

Da fällt mir die bayerische Kabarettistin Monika Gruber ein, die in eurem Fall von Gender‑Unfug gesagt hat: „Wenn ich sowas hör, da krieg ich so ein Mitleid.“

Meine Damen und Herren, was ist nun aus unserer Sicht das Hauptproblem an der ganzen Geschichte? Ganz einfach: Es ist weder die Aufgabe des Staates noch sein Recht, den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu denken und zu sprechen haben. Sprache ist dynamisch. Ja, tatsächlich. Sie ändert sich. Aber es ist etwas vollkommen anderes, ob die Sprache sich von unten organisch ändert oder ob der Staat vom grünen Tisch herab Sprachregulierung betreibt.

(Beifall)

Wie Sie privat reden, Herr Bakakis, ist mir vollkommen wurscht, aber es ist nicht die Aufgabe des Staates, hier Regulierungen zu treffen. Staatliche Sprachregulierung ist für gewöhnlich ein Zeichen totalitärer Systeme. Sie behandeln den Souverän dieses Staates nicht als Bürger, sondern als Untertan. Darum geht es.

Ich gehe einmal davon aus, dass alle von Ihnen George Orwells „1984“ gelesen haben. Dort ist detailliert beschrieben, wie der Staat die Sprache manipuliert, um die Gesellschaft zu formen. Frau David sprach auch davon, die Gesellschaft soll weiterentwickelt werden. Ich weiß nicht, ob es die Aufgabe der Parlamente ist, die Gesellschaft weiterzubilden. Ich würde sagen, sie sollen sie abbilden. Das ist etwas anderes.

(Zurufe)

Bei George Orwell wird klar geschildert, wie der Staat die Sprache manipuliert, um die Gesellschaft zu formen, das berühmte Newspeak. George Orwells „1984“ war keine Handlungsanweisung für Sie, sondern eine Warnung. Wenn der Staat einmal anfängt, den Bürgern durch staatliche Sprachregulierungen ins Gehirn kriechen zu wollen, dann ist die Büchse der Pandora geöffnet. Ja, wir erlauben uns, diesem Irrsinn, den Sie hier in trauter Eintracht veranstalten, ein lautes Nein entgegenzurufen. Die CDU ist dazu schon lange nicht mehr in der Lage. Vielleicht hätten Sie sich beizeiten einmal eine Rede von Franz Josef Strauß zu Gemüte führen sollen, der schon Anfang der Achtzigerjahre sagte: „Der Kampf um die Sprache ist der Kampf um die geistige Selbstbehauptung.“ Diesen Kampf hat die CDU schon vor Jahrzehnten aufgegeben.

Und ja, jedes Mal, wenn die AfD Ihrem feuchten Traum von Social Engineering und Ihrem offensichtlichen Versuch, diese Gesellschaft mit totalitärem Furor in Ihr links‑grün‑sozialistisches Utopia zu verwandeln, öffentlich widerspricht, kommen die üblichen linken Empörungsrituale. Wissen Sie was? Das ist uns wurscht. Das ficht uns nicht an. Denn genau dafür sind wir gewählt worden, um Ihnen hier in die Suppe zu spucken.

Wir widersetzen uns Ihrem Versuch, Deutschland ins bunt geschmückte Narrenschiff Utopia zu verwandeln, so wie Strauß es formuliert hat, oder um mit Michael Klonovsky zu sprechen: „Man kann davon ausgehen, dass überall dort, wo die sogenannte geschlechtergerechte Sprache durchgesetzt wurde, die geistige Entwicklung praktisch beendet ist.“ Oder ich formuliere es so, damit auch Sie es verstehen, in Orwellschem Neusprech: Gender‑Blabla doppelplus ungut.

(Beifall, Zurufe)