Rede des Stadtverordneten Willy Klinger in der Aktuellen Stunde zur Frage 179 von BFF-DFRA-FREIE WÄHLER

Sehr geehrter Herr Vorsteher,
sehr geehrte Damen und Herren,

Frankfurt hat also ein neues Wahrzeichen, „A Sky Full of Hope“ heißt es. Und mit welchen blumigen Worten wurde das Kunstwerk schon beschrieben? Auf der einen Seite war von „poetischer Transformation der Konstablerwache“ die Rede, von einem „neuen sozialen und atmosphärischen Bezugspunkt“ und auf der anderen Seite fielen so schöne Vokabeln wie „Taubenschissfänger“ und dergleichen.

(Heiterkeit)

Aber ich will jetzt auch gar nicht anfangen, über den künstlerischen Wert des Ganzen zu reden, sondern eher erst mal über ein paar Zahlen.

Das Netz kostet uns 2,3 Millionen Euro und das nicht zum Kauf, sondern, wie bereits gesagt wurde, für drei Jahre zur Miete. Reinigungs- und Reparaturkosten sind nicht mit inbegriffen. Insgesamt werden die Kosten also sicherlich deutlich höher liegen. Meine Damen und Herren, seien wir ehrlich, das Geld bei der Stadt ist knapp. Unsere Schulen und Infrastruktur sind marode. Wie soll man dabei dann diese enormen Kosten für ein nur temporäres Kunstwerk rechtfertigen? Das frage ich mich wirklich. Frau Hartwig hat dazu mal in der Presse gesagt, das Geld für das Kunstwerk war halt verfügbar, und hätte man es nicht ausgegeben, dann wäre es halt verfallen. Frau Hartwig, bei allem nötigen Respekt, aber das ist Quatsch. Bei Geld ist es nicht wie bei Lebensmitteln, das läuft nicht ab und wird nicht schlecht, wenn man es nicht verwendet.

(Beifall)

Aber auch beim Vergabe- und Auswahlverfahren ist noch nicht alles geklärt. Zum Glück gibt es da schon zwei Anfragen, die eingereicht wurden. Einmal von den Kollegen von den Linken und einmal von uns. Damit können wir vielleicht ein bisschen Licht ins Dunkel bringen. Ich bin auf jeden Fall auf die Antworten des Magistrats schon sehr, sehr gespannt.

Abschließend, meine Damen und Herren, glaube ich, kann man es so zusammenfassen, dass hier weder eine poetische Transformation noch Schaffung neuer sozialer und atmosphärischer Bezugspunkte stattfindet, sondern höchstens die politische Selbstinszenierung des Magistrats. Anstatt solche Luftgespinste zu produzieren, sollte der Magistrat endlich mal wieder auf dem Boden der Tatsachen ankommen, meine Damen und Herren. Sicherheit, Sauberkeit, gute Schulen und eine funktionierende Infrastruktur, das sind die Kernaufgaben der Stadtverwaltung, und darauf sollte man sich priorisieren.

„A Sky Full of Hope“ – ich hätte auch gerne noch einen himmelvoll Hoffnung, dass sich der Magistrat auf seine Kernaufgaben konzentriert, aber von dieser Hoffnung habe ich mich schon lange verabschiedet, und ehrlich gesagt, glaube ich, dass es den meisten Bürgern der Stadt ebenso geht.

(Zurufe)

Aber wenn das Kunstwerk irgendwann so richtig schön mit Taubenkot verdreckt und marode ist, dann spiegelt es wenigstens den jetzigen Zustand unserer Stadt akkurat wieder und dann passt es ja auch als Wahrzeichen.

Lieber Magistrat, an dieser Stelle eine Bitte: Setzen Sie endlich die richtigen Prioritäten und hören Sie auf, den Leuten zu erklären, wie poetisch und atmosphärisch Steuergeldverschwendung ist!

Vielen Dank!

(Beifall)

 

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